Zeichnung eines Hundes mit pinkem Maulkorb

Maulkorb? Braucht mein Hund nicht. Oder doch?

Warum er oft sinnvoll ist und gut sitzen muss

Ich spreche immer wieder mit Menschen über Maulkörbe. Und ich merke dabei, wie stark das Thema aufgeladen ist. Für viele steht der Maulkorb sofort für Aggression, für einen gefährlichen Hund und als Kennzeichen eines Problems.

Und genau deshalb wollte ich diese Podcastfolge machen.

Ich habe mit Susan Zeh gesprochen. Susan kenne ich schon sehr, sehr lange. Sie ist eine geschätzte Kollegin mit einem besonderen Herz für Tierschutzhunde, überhaupt Wildtiere, Tierschutz und Tierschutzhunde und für Jagdhunde. Susan ist Verhaltensberaterin in der Nähe von Berlin, im südöstlichen Berliner Umland, Brandenburg. Sie arbeitet mobil in der Verhaltensberatung und ihre Interessenschwerpunkte sind Angsthunde, Tierschutzhunde und jagdlich motivierte Hunde.

An ihrer Seite befinden sich immer wieder Tierschutzhunde, besonders die jagdlich stark interessierten – aktuell zwei Segugio-Mixe aus Italien.

Was Susan außerdem anbietet, ist Maulkorbberatung. Und das ist etwas, das ich bei guten Hundetrainer:innen gar nicht so oft sehe.


Höre Hier die Podcast-Episode mit Susan Zeh und Mir zum Thema „Maulkorb? Vielleicht doch.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf den Button. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wie Susan zur Maulkorbberatung kam

Susan hat erzählt, dass vor ungefähr zwei Jahren immer häufiger Hunde im Training waren, die einen Maulkorb tragen mussten. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Gleichzeitig stand immer wieder die Frage im Raum, ob sie jemanden empfehlen könne. Oder Menschen waren schon ewig auf der Suche nach einem gut sitzenden Maulkorb, hatten online bestellt, sich beraten lassen, mehrere Modelle ausprobiert und am Ende saß es trotzdem nicht gut.

Susan fand das Thema super spannend, ist über eine Weiterbildung gestolpert und hat ziemlich schnell gemerkt, wie viele Hunde mit nicht optimal oder schlicht schlecht sitzenden Maulkörben durch die Gegend laufen.

Es hat sie geapckt und sie ist aktiv geworden – zum Glück für uns.

Woran man erkennt, dass ein Maulkorb nicht gut sitzt

Susan sagt, häufig sind Maulkörbe viel zu eng. Die Hunde können dann nicht hecheln. Gegebenenfalls nicht trinken. Wenn es notwendig wäre, könnten sie auch nicht fressen. Häufig sind die Maulkörbe zu kurz, stoßen direkt an den Nasenspiegel an.

Für mich ist das Thema Hecheln dabei besonders wichtig. Trinken und Fressen sind auch wichtig. Aber Hecheln ist für Hunde eben unmittelbar mit Wärmeregulation und Wohlbefinden verbunden. Das kann man nicht einfach mal kurz hinten anstellen.

Und dann sieht man eben auch oft, dass die Hunde den Maulkorb nicht gerne tragen. Sie stören sich daran, versuchen ihn abzustreifen, erkunden nicht mehr richtig die Umwelt, sondern suchen etwas, woran sie sich reiben können.

Es gibt nicht den einen Maulkorb

Was ich spannend fand: Es scheint über 200 Maulkorb-Modelle zu geben. So viele und dennoch sitzen bei den wenigstens Hunden die „von der Stange“ gut.

Susan selbst arbeitet nur mit Metallmaulkörben, weil die besser bearbeitbar sind. So kann er angepasst werden. Vielleicht wird er enger oder weiter gebogen, vielleicht wird das Nasenpolster verändert werden.

Dazu kommt: Wenn ein Hund Beschädigungsabsicht zeigt, ist Metall einfach stabiler und sicherer als Kunststoff.

*Erfahrungswert am Rande: Wenn Dein Hund einen Metallmaulkorb trägt ist es noch wichtiger, dass er ihn nicht versucht an Deinem Bein abzustreifen, denn das gibt blaue Flecken…“

Wie läuft so eine Beratung ab?

In Susans Fall ziemlich simpel: Sie lässt sich im Vorfeld Maße und Fotos geben, packt eine Auswahl bestehender Maulkörbe ein und trifft den Hund (und seine Menschen). Manchchmal bei den Menschen zuhause, manchmal in einem dafür gemieteten Raum.

Dann wird gemeinsam mit den Hundehalter:innen geschaut, welcher am besten sitzt und, was angepasst werden muss und Susan passt direkt vor Ort an.

Was ich daran schön finde: Sie muss nicht einfach direkt am Hund rumfummeln. Susan leitet die Halter:innen an und erklärt, worauf sie achten sollen. Viel nachhaltiger für die Menschen, viel schöner für den Hund! Und manchmal macht es sogar Training unnötig.

Wann ein Maulkorb sinnvoll sein kann

Nein, es geht nicht nur um Hunde mit Beschädigungsabsicht.

Ein Maulkorb kann im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll oder vorgeschrieben sein. Beim Tierarzt. Bei der Physiotherapie. Beim Hundefriseur. Beim Krallenschneiden. Bei Auflagen des Veterinäramts. Bei Veranstaltungen. Im Urlaub. In bestimmten Ländern oder Verkehrsmitteln. Beim Giftköderthema. In Mehrhundehaltung. Bei Konfliktpotenzial. Bei Begegnungen. Im Begegnungstraining. Bei unsicheren Hunden. Bei Hunden, die viel aufnehmen.

Die Gründe sind vielfältig. Und genau deshalb finde ich, dass der Maulkorb viel normaler werden darf.

Wir können den Hunden den Stress schlecht sitzender Maulkörber oder spontaner Einsätze von Maulschlaufen beim Tierarzt ersparen!

Warum ich Maulkörbe wichtig finde

Ich bin ein großer Maulkorb-Fan. Aus verschiedenen Gründen.

Ein Grund ist, dass ich es überhaupt nicht mag, wenn meine Hunde beim Tierarzt für Behandlungen unpassende Maulkörbe oder Schlaufen angelegt bekommen.

Vor vielen, vielen Jahren ist meine Golden-Retriever-Hündin Maggie gebissen worden. Wir mussten schnell in die Klinik. Ich habe gesagt, dass sie gebissen worden war. Dann kamen wir in den Behandlungsraum und das Erste, was passierte: Ihr wurde eine Maulschlaufe umgelegt. Nach dem Motto: in Beißvorfall verwickelt, Maulschlaufe drauf.

Und ich habe gedacht: Boah. Die ist doch eh gerade schon gestresst. Vom Biss. Von der Klinik. Von der Situation. Und jetzt kommt das Nächste obendrauf. Die Diskussionen waren nicht zielführend, sondern haben uns noch mehr gestresst.

Das war für mich einer der Zeitpunkte, an denen ich entschieden habe: Jeder meiner Hunde bekommt einen Maulkorb und wird daran gewöhnt, ihn tragen zu können. Nicht stundenlang. Aber so, dass er ihn im Zweifel eine halbe Stunde gut tragen kann. Einfach, damit wir im Notfall nicht improvisieren müssen.

Mit Nayeli war es außerdem so, dass ich den Maulkorb ganz oft in Situationen genutzt habe, in denen es enger oder voller war. Wenn wir wandern waren und ich wusste, dass wir an Stellen kommen, wo Menschen dichter werden, haben die Leute Nayeli mit Maulkorb deutlich mehr Raum gegeben. Sie haben einen Bogen gemacht. Und genau das hat ihr gutgetan.

Kann ein Maulkorb auch entlasten?

Für mich ganz klar: ja. Und Susan sagt das auch. Ein Maulkorb nimmt oft Druck raus. Für Menschen und für Hunde.

Wenn ein Mensch nicht permanent gucken muss, ob der Hund etwas vom Boden aufnimmt, ob eine Situation kippt oder ob es im nächsten Moment eng wird, dann verändert das etwas. Dann ist da mehr Ruhe. Mehr Sicherheit. Mehr Handlungsspielraum.

Und das hat wiederum Auswirkungen auf das Miteinander.

Ich musste dabei sofort an Ella denken. Als wir mit ihr länger in Berlin waren, habe ich auf manchen Spaziergängen sehr deutlich gemerkt, wie hilfreich ein gut sitzender Maulkorb gewesen wäre. Nicht einmal aus Angst vor Giftködern, sondern weil Ella bei Essbarem eine Lerngeschichte hat: Wenn ich sie anspreche oder auf sie zugehe, schlingt sie mitunter besinnungslos. Und dann eben auch mal Alufolie oder anderen Mist. So ein Maulkorb hätte an solchen Stellen einfach Management sein können. Sicherheit. Weniger Druck. Mehr Ruhe.

Maulkorb heißt nicht „böser Hund“

Als Susan ihrer Mutter erzählt hat, dass sie die Weiterbildung zur Maulkorbberaterin macht, kam sofort: „Ach, unsere Flocke braucht keinen Maulkorb.“

Und genau da sitzt ja viel von dem Thema. Der Maulkorb ist noch immer negativ behaftet.

Dabei sagt er erstmal gar nicht, dass ein Hund aggressiv ist. Und er sagt auch nicht automatisch, dass etwas schlimm ist. Er kann genauso gut einfach zeigen, dass Menschen verantwortungsbewusst mit Situationen umgehen. Dass sie Management betreiben. Dass sie vorbereitet sind.

Ich finde, die Stigmatisierung darf weiter verschwinden. Und ich habe auch das Gefühl, dass sie das teilweise schon tut.

Susan sagt, dass farbliche Beschichtungen, verschiedene Modelle und mehr Sichtbarkeit das Thema ein Stück weit verändern. Und ich würde ergänzen: Je mehr gute Beratung es gibt, desto besser.

Denn ich habe wirklich noch nie einen Hund erlebt, dem ein Standardmaulkorb einfach so perfekt gepasst hätte.

Wie viel Training braucht ein Maulkorb?

Was ich spannend fand: Susan sagt, bei einem gut sitzenden Maulkorb ist die Akzeptanz oft so gut, dass gar nicht viel Training notwendig ist. Nicht immer. Aber häufig.

Das fand ich ehrlich gesagt bemerkenswert. Und schaue deswegen bei meinem nächstne Berlin Besuch mit Ella bei Susan vorbei, damit auch sie ein schickes und vor allem super sitzendes Modell bekommt.

Ich hätte gedacht: Ja, es braucht dann vielleicht weniger Training, aber ein bisschen Training ist sicher trotzdem nötig.

Susan hat Beispiele erlebt, bei denen Hunde sich mit dem gut sitzenden Maulkorb direkt relativ frei im Garten bewegt haben, erkunden konnten und kaum versucht haben, ihn abzustreifen. Auch da zeigt sich eben, wie viel der Sitz ausmacht.

Und gleichzeitig glaube ich, dass es natürlich hilft, wenn beim Anprobieren kein Druck entsteht. Wenn der Hund nicht gezwungen wird. Wenn nicht einfach eine fremde Person über ihn drüber geht und irgendwas aufsetzt.

Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir, dass das Thema Maulkorb normaler wird. Dass es nicht mehr automatisch für „Problemhund“ steht.

Dass mehr Menschen sehen, wie viele Vorteile ein gut sitzender Maulkorb mitbringen kann. Im Alltag. Auf Reisen. Beim Tierarzt. In Begegnungen. Beim Training. Im Management.

Und ich wünsche mir, dass viel mehr Hunde früh lernen dürfen, einen Maulkorb zu tragen.

Nicht erst dann, wenn es dringend ist. Sondern einen eigenen passenden und für sie gewohnten Maulkrob tragen – ein bisserl Training damit schadet nicht und kann auch Spaß machen.

Denn genau das war am Ende auch unser gemeinsames Schlusswort:

Je besser der Maulkorb sitzt, desto weniger Training ist notwendig.

Und ich finde, das ist ein ziemlich guter Satz.


Wenn Du jetzt einen Maulkorb für Deinen Hund willst …

Empfehle ich Dir Kontakt zu Susan aufzunehmen! Susan Zeh https://dogztraining.de
Und ich darf mich freuen, dass Susan unsere Trainees und Netzwerker:innen der Ausbildung in den kommenden Wochen zum Thema „passender Maulkorb“ schult und bin gespannt, was ich da lerne!