Ein brauner. Kurzhaariger Mischling mit Schlappohren schaut direkt in die Kamera. Die Rute und die Ohren sind erhoben, er steht

Warum Dein Hund nicht „schwierig“ oder ein Problemhund ist – sondern verständlich

Hast Du auch schon mal gedacht: „Mein Hund macht mich fertig. Er ist echt schwierig.“ Dann atme kurz durch. Denn: schwierig ist er nicht. Verständlich ist er.

Und nein, ich streite nicht ab, dass das Zusammenleben für Euch schwierig, anstrengend und hart ist. Das habe ich oft genug – auch am eigenen Leib – erlebt.

Off topic: Aber hier im Podcast, spreche ich über ein solches Erlebnis

Wir bezeichnen Hunde als „Problemhunde“, sehen ihr Verhalten als „Problemverhalten“, schwierig oder verhaltensoriginell. Wir bezeichnen sie als anders und vergleichen sie mit den Hunden, die für uns scheinbar unauffällig sind.

Doch gibt es auf einmal wirklich so viele Problemhunde? Sind sie schlecht sozialisiert? Sind wir zu empfindlich geworden? Dieser Frage möchte ich mit Dir auf den Grund gehen.

Schwierige oder Problemhunde gibt es nicht – aber überforderte

Was wir Menschen oft als schwierig empfinden, ist bei den Hunden häufig nichts anderes, als die blanke Überforderung und die logische Konsequenz auf unsere Art, mit Hunden zu leben.

Die Wahrheit ist unbequem und gleichzeitig befreiend:
– Ein Hund, der an der Leine pöbelt, versucht Distanz zu schaffen.
– Ein Hund, der alles anknurrt, zeigt: „Mir ist das hier zu viel, zu eng.“
– Ein Hund, der sich verstecken will, fühlt sich in Gefahr.
– Ein Hund, der aufgeregt hin und her rennt und bellt, zeigt sein Unwohlsein.
– Ein Hund, der scheinbar stur stehen bleibt, hat vielleicht einfach keine andere Idee mehr.

Das wirkt für uns schwierig. Für den Hund ist es nur die logische Konsequenz seiner Wahrnehmung.

Woher kommt die Überforderung?

Überforderung hat viele Gründe, sie betrifft nicht nur Hunde aus dem Tierschutz, sondern alle querbeet. Für mich ist es das Grundprinzip, wie wir Hunde zu uns holen und mit ihnen leben, welche Anforderungen im Zusammenleben auf ihnen lasten, die einen Großteil der Überforderung ausmachen.

Um es für Dich deutlicher zu machen, kommen hier ein paar Beispiele:

– „Gute Zucht“ statt „passendes Lebensumfeld“: Bei der Auswahl von Hunden aus der Zucht wird oft auf die gute Kinderstube geachtet. Dabei geht es aber in der Regel um die Auswahl der Zuchttiere und die passende Aufzucht. Worauf – aus meiner Erfahrung – weit weniger geachtet wird, ist, ob das züchterische Umfeld Ähnlichkeiten mit dem Lebensumfeld für das restliche Leben zusammenpasst.
– „Retten“ statt „nachhaltiges Helfen“: Nicht selten werden Hunde aus anderen Ländern im DACH-Raum vermittelt. Einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, suggeriert uns, dass wir etwas Gutes tun. Doch viele dieser Hunde sind mit ihrer Umsiedelung, dem Transport, dem Verlust von Sozialpartnern und der Veränderung ihres kompletten Lebens massiv überfordert. Das liegt nicht, wie so oft behauptet, an mangelnder Sozialisation, sondern daran, dass Sozialisation etwas sehr Individuelles – angepasst an das Lebensumfeld – ist. Gerade bei Straßenhunden oder Hunden, die zwar mit einer Familie gelebt, aber komplett andere Haltungsbedingungen (z. B. eigenständiges Stromern, statt Gassi an der Leine) kennengelernt haben, führt das zu Problemen. Sinnvoller als die Adoption von Straßenhunden wären nicht selten, Konzepte, um die Lebensbedingungen vor Ort anzupassen.
unnatürliche Dichte: Die Anzahl der Hunde nimmt in unseren Gefilden zu. Das führt zu immer mehr Begegnungen, Konflikten mit der Gesellschaft und dadurch zu immer mehr Auflagen und Regeln. Das trifft unsere Hunde gleich doppelt. Unter natürlicheren Bedingungen würden sie weniger andere Hunde treffen, wären in der Kommunikation freier und die zugehörigen Menschen hätten weniger Sorge aufzufallen.
extreme Anforderungen: Es ist für die meisten Menschen normal, dass unsere Hunde „überall mitkommen“. Hunde sind Gefährten. Das ist extrem herausfordernd. Während es für uns normal ist, dass eine Katze Zeit für sich hat, ein Pferd (hoffentlich) so gehalten wird, dass es ohne direkten menschlichen Einfluss einen großen Teil des Tages mit seiner Herde verbringen darf, bestimmen wir für unsere Hunde alles. Kein Tier ist so vielen Anforderungen ausgesetzt wie unsere Hunde. Wenn Dich meine konkreteren Gedanken dazu interessieren, empfehle ich Dir meine Podcast-Episode „Fulltime-Job Familienhund“.

War das nicht immer so?

Nein, das war es nicht. Der Leistungsdruck auf unsere Hunde ist gewachsen, die Regeln härter und die Anzahl der Hunde mehr.

Und es wird Zeit, dass wir umdenken. Zumindest, wenn wir Hunde nur halb so gern mögen, wie wir es glauben. Das Konzept der Hundehaltung gehört auf den Kopf gestellt. Wenn Hunde Probleme machen, gehört nicht der Hund, sondern das Drumherum in Frage gestellt. Denn Hunde reagieren auf ihr Umfeld – im Rahmen ihrer Persönlichkeit, Genetik, Erfahrungen und ihrer aktuellen Möglichkeiten.

Zum Glück gibt es in meinem Umfeld immer mehr Menschen, die genau das tun. Hinschauen, umdenken, ausprobieren und wieder hinschauen.

Warum wir Menschen oft anders schauen müssen

Wir Menschen lieben einfache Etiketten: brav, frech, ängstlich, schwierig.
Doch Verhalten ist kein Etikett. Es ist Ausdruck der Innenwelt und Kommunikation.

Genau da liegt die Chance: Wenn wir lernen, Verhalten nicht als „gegen uns“ zu sehen, sondern als Ausdruck eines Bedürfnisses und eine wertvolle Information, können wir fair und wirksam verändern

Wir können uns auf den Hund vor uns einlassen und auf ihn eingehen, ihn als Hund wahrnehmen und seine Bedürfnisse, seine Kommunikation und sein Verhalten verstehen. Dieses Verständnis für Hunde und das einzelne Individuum vor uns schützt uns vor der Vermenschlichung und sorgt für ein ausbalanciertes Zusammenleben.

Hunde sind keine Menschen!

Viele alte Mythen, wie das Alpha-Modell des Rudelführers, oder Sprüche wie „Der tanzt Dir auf der Nase herum.“ stellen Hunde in ein Licht, das ihnen menschliche Wesenszüge unterstellt.

Doch Hunde sind keine Menschen. Sie leben nicht in einer imperialistischen Welt und sie haben keine linearen Hierarchie-Strukturen. Die meisten der Mythen rund um Hundeerziehung und Training sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft – entstanden aus dem Patriarchat und dem Recht des Stärkeren.

Dabei gibt es mehr Studien zur Kooperationsfähigkeit von Hunden, als Beweise der hierarchischen Rudelstruktur.

Wenn wir anfangen, Hundeverhalten wirklich zu beobachten, Hunde neu zu sehen und unsere Meinung hinterfragen, haben wir die Chance auf echte Veränderung. Genau das ist ein Teil unserer Methode:

BRAVE –Methode statt Bewertung

Mit der BRAVE –Methode schauen wir systematisch hin:
Bedürfnisse begreifen: Der Baustein, in dem wir uns Hundeverhalten allgemein widmen und die Bedürfnisse des einzelnen Hundes ergründen.
Routinen reflektieren: Erkennen und lernen, wo der Alltag und das System ein Update oder eine Generalüberholung braucht.
Anders agieren: Die eigenen Meinungen und Handlungen hinterfragen und nicht mehr darauf reagieren, sondern kompetent handeln.
Verhalten verändern: Trainingsmethoden lernen, neue Strategien und Signale mit dem Hund üben.
Erfolge etablieren: Das Gelernte in den Alltag bringen und vom Umlernen wieder in intuitives Handeln finden.

Kein Rätselraten, kein Schuldzuweisen. Sondern ein klarer Weg, Verhalten zu verstehen und Schritt für Schritt anders zu machen.

Klingt das spannend für Dich?

Möchtest Du den Weg mit uns gehen und das Verhalten Deines Hundes nachhaltig verändern: von schwierig und überfordernd zu „erkannt, verstanden, angepackt“?

Dann lade ich Dich ein zu „Hunde anders verstehen, Verhalten fair verändern“ – meinem 12-Wochen-Programm für alle, die Lust haben, aus Problemen lösbare Herausforderungen zu machen!