Was sind Werkzeuge für Dich und Deinen Hund?

Ich möchte Dir in den kommenden Wochen ein paar meiner Lieblings-Werkzeuge vorstellen und Dich einladen, über die einzelnen Werkzeuge nachzudenken. Damit ich keine falschen Erwartungen schüre: Ich werde Dir hier nicht den schrittweisen Aufbau verklickern. Vielmehr möchte ich Dich dahinterschauen lassen.

Starten wir mit „Was sind eigentlich Werkzeuge?“

Werkzeuge sind für mich Hilfsmittel, mit denen ich – immer bei Kund:innen, Hunden oder mir –

  • das Verhaltensrepertoire erweitere, z. B. um mehr artgerechtes Verhalten zu integrieren.
  • gezielt an Kompetenzen feile, z. B. um die Kommunikation zu verbessern.
  • systematische Veränderungen herbeiführe, z. B. erst die emotionale Bewertung und dann ein neues Verhalten zu integrieren.

Werkzeuge leben von ihrem sinnvollen Einsatz, ihrer Pflege und ihrer Anwendung.

Ist das nicht einfach Hundetraining?

Ja, das kann es sein. Werkzeuge können das sein, was Du klassischerweise unter Hundetraining kennenlernst. Der Unterschied ist nicht unbedingt der Aufbau – je nachdem, wie Du trainierst – sondern viel mehr die Anwendung.

Im klassischen Hundetraining ist oft die Übung das zentrale Element. Für uns ist sie nur ein Teil des Systems. Es geht also nicht primär darum, dass ein Hund etwas besonders gut kann und gehorsam funktioniert, sondern darum, dass Du und er lernen gemeinsam das Leben zu gestalten.

Einige Werkzeuge helfen Dir Deinen Hund zu lenken, wo er noch nicht die notwendigen Kompetenzen und Strategien besitzt, eigenständig und gesellschaftskonform – oder wenigstens nicht gefährdend – zu handeln. Andere sind dafür da, dass Du lernst Eure Kommunikation zu verfeinern oder Dein Hund eine Situation anders bewertet.

Das ist für mich ein Unterschied zwischen klassischem Training und sinnvoll eingesetzten Werkzeugen. Für mich geht es immer darum, dass wir – unsere Hunde und wir Menschen – wachsen und der Hund dabei lernt im möglichen Rahmen mitzubestimmen. Falls Dich das Thema interessiert, empfehle ich Dir meine Podcast-Episode „Hilfst Du Deinem Hund und hältst ihn klein?“

Werkzeuge sind immer „Mittel zum Zweck“ – nie die Lösung. Es geht also nicht um Dinge wie: „Mach 10x diese Übung und Dein Hund wird Dir vertrauen.“


Werkzeuge sind nicht losgelöst von der BRAVE-Methode, sie sind ein Teil von ihr.

Lass mich Dir das direkt anhand eines meiner Lieblingswerkzeuge erklären.

Das Werkzeug heißt Isometrische Übungen oder auch liebevoll „Die Isos“.

Die Isos kommen eigentlich aus der Physiotherapie und ähneln der progressiven Muskelentspannung. Wir führen eine Anspannung herbei und dann ein Loslassen, das – hoffentlich – tiefer ist. Das Ganze erfolgt über Handauflegen und das Ausüben eines Drucks auf die Körperoberfläche des Hundes. Dieser Druck führt zu Gegendruck – der Hund hält sich in Balance. Soweit, so gut.

Für uns, mit unserem Aufbau, können die Isos aber noch viel mehr – und das entlang der BRAVE-Methode. Zwei Beispiele:

Bedürfnisse begreifen:

Mit den Isos können wir Bedürfnisse wie Körperkontakt, Sicherheit und Anlehnung befriedigen oder auch fördern. Die Isos können Sicherheitsspender, Entspannungshelfer und Social Support werden. Ich setze sie ein für Hunde in anspannenden Situationen zur Entspannung, für Hunde in beängstigenden Situationen als Mutspender, für Hunde vor dem Alleinebleiben als Bedürfnisstiller für Sozialkontakt.

Anders agieren:

Wir Menschen sind mit den Händen oft schneller als unser Schatten. Die Isos helfen uns Menschen zu verstehen, was es braucht, damit unser Hund sich besser und entspannter anfassen lässt, wir nicht übergriffig werden. Der Rahmen lehrt uns, wie wir uns hundgerechter und klarer verhalten können und hilft uns, die Kommunikation des Hundes besser zu sehen.


Die größte Herausforderung für meine Kund:innen? Sie verwechseln die Werkzeuge mit Übungen, die man ein paar Mal macht und die dann weggeräumt werden. Dabei sind solche Werkzeuge keine Provisorien, sondern immer wieder nützlich.

Doch erst, wenn wir den Nutzen erkennen und das Werkzeug regelmäßig aus der Schublade holen, fällt es uns in den schwierigen Momenten auch ein. Erst, wenn wir es nicht als „Übung für …“, sondern als Hilfsmittel ansehen, wird es wertvoll.

Klingt das logisch für Dich? In den kommenden Beiträgen erfährst Du mehr über die Isos – was sie noch können und wie Du sie für Dich nutzen kannst. Wenn Du Dich jetzt schon fragst: „Könnte ich die auch anwenden, wenn …“, hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail.